Johannes Rieder

Regie & Theaterpädagogische Arbeit

Regie (Auswahl)

Bruder

Bruder, von Agota Kristof. Foto: Bernhard Fuchs
  • Agota Kristof
  • sogar theater, Zürich, 2013
  • mit Oscar Sales Bingisser und Sebastian Krähenbühl
  • Textfassung und Regie: Johannes Rieder
  • Raum: Beni Küng
  • Kostüm: Eisenring
  • Dramaturgie: Christoph Leimbacher

Zwei Zwillingsbrüder. Ihr gemeinsames Aufwachsen zu Zeiten des Krieges in Grausamkeit. Nach der Trennung leben die Brüder in Heimatlosigkeit und Entfremdung auf der Sehnsucht nach ihrer nie wieder gefundenen Liebe.

Agota Kristof, in Ungarn geboren, gestorben 2011 in Neuchâtel, verließ ihre Heimat während des Ungarischen Aufstands und gelangte über Umwege in die Westschweiz. Sie schrieb ihre Bücher auf Französisch, in einer ihr bis dahin unbekannten Sprache. Agota Kristof gehört zu den bedeutendsten Schweizer Autorinnen und ist dabei in keiner Weise eine Schweizer Autorin. Sie ist auch keine ungarische Autorin. Sie definiert sich durch ihre Staatenlosigkeit. Vielleicht ist sie im Fremdsein zu Hause gewesen, auf jeden Fall kennt sie sich dort sehr gut aus. Sie weiß von den Zerrissenheiten eines menschlichen Lebens und einer Seele.

Obwohl sie im Feuilleton hoch geachtet und mit zahllosen Preisen geehrt wurde, sind ihre Werke dem breiten Publikum wenig bekannt.

Gastspiel möglich: mehr Infos »
Nach anderthalb Stunden ist es vorbei, und meine Sitznachbarin stöhnt erleichtert auf. Nicht, weil es langwierig oder zäh war, sondern weil es unter die Haut ging. Die beiden Schauspieler Oscar Sales Bingisser und Sebastian Krähenbühl spielen und sprechen genauso kühl und kalt, wie es die verschiedenen Textvorlagen von Agota Kristof erfordern. Dabei schauen sie, die Rollen immer wieder wechselnd, ohne einen Anflug von Empathie ins Leere. Besonders grausam ist Grausamkeit, die ohne pathetisches Ornament auskommt – das zeigt Regisseur Johannes Rieder im Sogar-Theater mit dem Stück «Bruder» auf raffinierte Weise.
Guido Kalberer, Tages-Anzeiger, Zürich
Mit Schulterzucken in den Selbstmord. Lucas und Claus (Sebastian Krähenbühl und Oscar Sales Bingisser) sind Brüder, eineiige Zwillinge. «Bruder» nennt Rieder seine Bühnenfassung wohl, weil die anfängliche Gewissheit, es handle sich um zwei Menschen, im Laufe der beklemmenden szenischen Lesung schwindet. Am Schluss scheinen die anagrammatisch miteinander verbundenen Männer Lucas und Claus ein und dieselbe Person zu sein. (…) Bingisser und Krähenbühl sitzen auf der kahlen Bühne auf Stühlen und (…) erzählen die grauenvollsten Vorkommnisse lakonisch, einvernehmlich, kühl lächelnd, distanziert und so, wie wenn sie in der Gegenwart spielten. Aber es sind Erinnerungen. Und diese sind brüchig. (…) Ihre scheinbare Unsicherheit hat System und überzeugt. (…) Als sich Lucas vor den Zug wirft, nimmt das Claus mit einem Schulterzucken zur Kenntnis: «Der Zug, eine gute Idee.» Auch er wird diesen Weg gehen. Er hat ja gelernt, alles, auch die letzte Wahrheit, ohne Pathos ins Auge zu fassen.
Karl Wüst, Aargauer Zeitung

Johannes Rieder

Johannes Rieder (Foto: Guy Huracek)

ist 1977 in München geboren. Er studierte Regie und Schau­spiel an der Otto-Falckenberg-Schule. Er lebt als freier Regisseur in München. Im Sommer 2011 war er zusammen mit Thomas Unthan Finalist beim Ring Award 11 in Graz. Zusätz­lich erhiel­ten sie für ihr Konzept zur Fleder­maus den Sonder­preis der Komischen Oper Berlin. Neben der Regie­tätig­keit studiert Johannes Rieder seit 2012 Soziale Arbeit (BA) an der Katho­lischen Stiftungs­fach­hoch­schule in München.

Auszeichnungen

  • Finalist beim inter­nationalen Ring Award – Wettbewerb für Opern­regie 2011
  • Ring Award 2011 Sonder­preis der Komischen Oper Berlin für das Konzept zur Fledermaus von Johann Strauss.

Regie (Auswahl)

Die Fledermaus (1. Akt)

Die Fledermaus (1. Akt), von Johann Strauss
  • Johann Strauss
  • Ring Award 2011
  • Schauspielhaus Graz, 2011
  • Ausstattung: Thomas Unthan
Johannes Rieder (Regie) und Thomas Unthan (Ausstattung) erzählten die »Fledermaus« in der intelli­gentes­ten der vier Inszenier­ungen von einem gedach­ten Ende aus, an dem Eisen­stein seine Frau Rosa­linde nach dem Ball ermordet. In einem Wohn­zimmer der Acht­ziger­jahre über­lager­ten sich schlüssig die Erinne­rungen und Fanta­sien Eisen­steins mit dem ansonsten intakten Ablauf.
Kleine Zeitung, Graz

Regie (Auswahl)

Gespielte Sprache

Landkarte zu »Gespielte Sprache«
  • Volksschule Weilerstrasse, München, 2012
  • Ein Projekt mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Die Jugendlichen der Ü8-Klasse der Volksschule Weilerschule sind zwischen 13 und 15 Jahre alt und stammen aus 11 verschiedenen Ländern. Einige von ihnen sind seit acht Monaten in Deutschland, einige erst seit drei Wochen. Sie sind mit ihrer Familie gekommen oder ganz alleine. Sie sind mit dem Schiff, dem Flugzeug, dem Auto oder zu Fuß gekommen. Manche haben für ihre Reise einen halben Tag gebraucht, manche ein halbes Jahr. Viele haben dabei ihr Leben riskiert. Jetzt sind sie in München und müssen mit ihrer Situation, mit dem fremden Land und der fremden Sprache umgehen.

Einige von ihnen sind politische Flüchtlinge, die auf ihr Asylverfahren hoffen. Alle von ihnen müssen ihr altes Leben hinter sich lassen.

In Interviews erzählten die Jugendlichen über ihre Flucht, über die Situation in ihrem Heimatland, über ihr Leben in Deutschland. Daraus entstanden dokumentarische Texte und Spielszenen, die ihre Ängste, ihre Hoffnungen und ihren Überlebenswillen spiegeln.

Dokumentarische Texte »

Regie (Auswahl)

Wut

Wut, von Max Eipp
  • Max Eipp
  • Stadttheater Bern, 2011
  • Bühne: Beni Küng
  • Kostüme: Judith Hepting
Rieder hat es gewagt, die Gang mit Laiendarstellern zu besetzen. Der hart erarbeitete Versuch hat sich gelohnt: Die ausgewählten Jugendlichen fügen sich nahtlos ins Ensemble ein und geben der Produktion eine besondere Authentizität mit.
Neue Zürcher Zeitung
Was Johannes Rieder und sein Team dem Publikum vorsetzen, ist ein schwer verdauliches Stück Integrationsgeschichte, ein faszinierendes und beklemmendes Drama, das doch von der Spiel- und Experimentierfreude lebt.
Berner Zeitung

Auszug aus dem Blog des Laiendarstellers Guy Huracek über die Probenarbeit (Berner Kulturagenda) hier (PDF 86 kB).

Regie (Auswahl)

Der unsichtbare Vater

Der unsichtbare Vater, von Juliane Klein
  • Juliane Klein
  • Junge Oper der Staatsoper
  • Stuttgart, 2009
  • Ausstattung: Thomas Unthan

Mobile Oper für Kinder. Aufführungen im Stuttgarter Kammertheater und in Schulen in Stuttgart und Umgebung.

Das Bühnenstück übertrifft die Literaturvorlage bei weitem. Die Verschmelzung von Musik, Text und Bühnenaktion ist hier derart dicht gelungen, dass man nie das Gefühl hat, hier werde einfach bloß ein Buch vertont.
Stuttgarter Zeitung

Regie (Auswahl)

Jackie

Jackie, von Elfriede Jelinek
  • Elfriede Jelinek
  • Stadttheater Bern, 2007
  • Ausstattung: Beni Küng
Johannes Rieder fokussiert in seiner prägnanten und auf das Wesentliche reduzierten Inszenierung haarscharf auf die tragische Frauenfigur und lässt der beeindruckenden Schauspielerin Heidi Maria Glössner viel Platz für darstellerische Feinstarbeit.
Der Bund
Johannes Rieder und Beni Küng kreieren eine zwingende Chiffre für Jelineks polemisch angelegten, leidenschaftlich einseitigen Text, der eine gnadenlose Analyse vornimmt.
Neue Zürcher Zeitung

Regie (Auswahl)

Heiratskandidaten

Heiratskandidaten, von Georges Feydeau
  • Georges Feydeau
  • Münchner Kammerspiele, 2007
  • Ausstattung: Peter Eisenring

Mit Schülern der Otto-Falckenberg-Schule.

Johannes Rieder hat die von jeder erzählerischen Wahrscheinlichkeit ungebremste Verwechslungsklamotte zu einem Lehrstück darüber entschlackt, wie die Funktion eines Menschen seinen Wert relativiert. (...) Ein Gesellschaftsbild von kühler Strenge und abgründigem Witz.
Münchner Abendzeitung

Regie (Auswahl)

Der Sturm vor der Ruhe – ein echter Abend

Der Sturm vor der Ruhe – ein echter Abend, von Johannes Rieder und Balthasar Zimmermann
  • Johannes Rieder und Balthasar Zimmermann
  • Pathos-Transport-Theater München, 2007
  • Ausstattung: Johannes Rieder
  • Dramaturgie: Balthasar Zimmermann
Ein gelungenes Beispiel dafür, dass starke Schauspieler auch dann Spannung wecken, wenn angeblich nichts los ist.
Münchner Abendzeitung
Eine Großstadt-Symphonie der Vereinzelung und Einsamkeit.
TZ
Der Abend fördert Raritäten der Küchenphilosophie zutage, die sonst für immer verloren wären.
Süddeutsche Zeitung
Trockenste Komik (...) Dem Regisseur Johannes Rieder ist eine wundersam weise Collage aus scheinbaren Alltäglichkeiten gelungen. 
Münchner Merkur

Arbeit mit Laien und Jugendlichen

Junge Oper der Staatsoper Stuttgart

Arbeit als Musiktheaterpädagoge, vor allem mit Kindern und Jugendlichen aus Brennpunktschulen mit hohem Migrationshintergrund in sozial schwachen Stadtvierteln, in enger Zusammenarbeit mit den Lehrern.

Thema war Vermittlung von musikalisch-theatralischen Wirkungs- und Schaffensprozessen mit großer sozialpädagogischer Aufgabenstellung.

Siehe › Der unsichtbare Vater.

Arbeit mit Laien und Jugendlichen

Dog Eat Dog

Nova Iguaçu, Rio de Janeiro
  • Nuran David Calis
  • Nova Iguaçu, Rio de Janeiro
  • Ausstattung: Peter Eisenring

Inszenierung mit Jugendlichen im Rahmen eines Deutsch-Brasilianischen Austauschprogramms.

Der Ort Nova Iguaçu gehört zu den Peripherien von Rio de Janeiro. Drei Monate vor Beginn der Arbeit wurden in Nova Iguaçu in einer Nacht 29 Menschen aus fahrenden Autos heraus von Todesschwadronen erschossen. Es war das größte Massaker in der Region Baixada Fluminese, die von der UNO als gewaltgeprägtestes Gebiet der Erde definiert wurde.

Einen Text zur Arbeit finden Sie hier (PDF 86 kB).

Arbeit mit Laien und Jugendlichen

Angst essen Seele auf

  • Rainer Werner Fassbinder
  • Bad Wörishofen
  • Inszenierung mit Jugendlichen

Bad Wörishofen ist ein Kurort im Allgäu, an dessen Bahnhof man von einem Schild begrüßt wird: »Willkommen in der Weltheilstadt Bad Wörishofen«. Durch das Stadtzentrum bewegen sich langsam und vorsichtig Rentner und Kurgäste. Den Jugendlichen wird nahegelegt, sich vom Stadtzentrum fernzuhalten, um die Alten nicht zu erschrecken. Bad Wörishofen ist also eine sehr ruhige Stadt. Rainer Werner Fassbinder wurde in Bad Wörishofen geboren. Das ist die einzige Verbindung zwischen ihm und dem Ort.